Auszug aus dem Schreiben an Ministerpräsident Kretschmann und andere Entscheidungsträger

04.03.2021

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,

sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für die Gelegenheit eine Idee als Variante für eine Öffnungsstrategie für den Einzelhandel einbringen zu können.

Ich möchte voraus schicken, dass ich im Rahmen dieser Pandemie die Zwänge der Politik wahrnehme und großen Respekt vor der Arbeit und den Entscheidungen der verantwortlichen Stellen habe. Es stellt sicherlich eine große Herausforderung dar, die Interessen der verschiedenen Stellen, den Gesundheitsschutz der Bevölkerung und des dazugehörigen Apparates einerseits, das Recht auf Bildung und auch den vielen, weiteren Belange der Bevölkerung in ihren individuellen Lebensrealitäten andererseits gerecht zu werden. Als Geschäftsführer mit 20 Jahren Berufserfahrung bei der Optimierung von Prozessen eines mittelständischen Unternehmens [...] steuere ich mein Unternehmen durch diese Pandemie. Dabei liegen mir neben den wirtschaftlichen Aspekten auch die persönlichen Belange meiner Belegschaft und aber auch meinem beruflichen und privaten Umfeld - der vielen Kolleginnen und Kollegen aus dem Einzelhandel - am Herzen.

In vielen Diskussionen der letzten Wochen wurde die immer drängendere Notwendigkeit einer Öffnungsstrategie für den Einzelhandel auch in meinem Umfeld immer lauter. Dabei geht es zwischenzeitlich um nicht weniger als den Ruin ganzer Bevölkerungsschichten, die teilweise Hilfen bekommen, teilweise jedoch von ihren Reserven, ihrer Altersvorsorge leben, die sich langsam dem Ende neigt – von der drohenden Verödung der Innenstädte und der emotionalen Verzweiflung ganz zu schweigen.

Ich erkenne in meiner Beobachtung in der öffentlichen Diskussion auch eine große Zerrissenheit der Politik zwischen „Angst vor einem Entgleiten der Pandemie“ und „Angst vor einem Entgleiten der Staatssolidarität in der Bevölkerung“.

Sie haben gestern mit der Bundeskanzlerin und Ihren Kolleginnen und Kollegen Ministerpräsidenten einen Fahrplan für mögliche Öffnungen in den nächsten Wochen verhandelt.

Leider ist in Karlsruhe die Inzidenz (wir waren schon bei 38,7) nun wieder bei 53,2 – es sieht also gar nicht so gut aus und ich denke, das löst bei allen Entscheidungsträgern gerade ein sehr ungutes Gefühl aus. Ich sehe ein hohes Risiko, dass wir wieder in die Lockdownmaßnahmen bei über 100 kommen werden. Die Strategie von einem Test pro Woche bringt (so sieht es auch die Politik) nur eine Sicherheit für einen sehr kurzen Zeitraum – aber sicherlich nicht für eine ganze Woche bis zum nächsten Test. Eigentlich müsste man ja nach dem Prinzip verfahren: Testen – ein Tag Freizügigkeit – 5 Tage Quarantäne … Testen – ein Tag Freizügigkeit – 5 Tage Quarantäne - …

Ich möchte trotzdem oder gerade deswegen einen weiteren Vorschlag für eine in etlichen Bereichen weitergehende Öffnungsstrategie einbringen, die auf dem jetzt beschlossenen aufsetzen kann.

Eine Öffnungsstrategie sollte schon allein aus ethischen Gründen nicht zwischen „guten“ und „schlechten“ Wirtschaftsbetrieben unterscheiden. Die Politik darf nicht eine ganze Gesellschaftsschicht in die Existenzvernichtung treiben, während andere Betriebe „bevorzugt“ werden. Warum sind Blumenläden auf, wenn es doch seit Generationen „Fleurop“ gibt, die die Blumen nach Hause liefern? Das sind auch Gründe, warum die Bevölkerung so viel Unverständnis entwickelt! Es liegt daher auf der Hand, dass alle Unternehmen geöffnet werden müssten, damit jeder einzelne Betrieb für seine Grundsicherung selbst sorgen kann.

Und genau das könnte funktionieren, wenn Kontaktreduzierung durch Beschränkung der Besuchsberechtigten statt durch „Schließung des Betriebes“ erfolgt – also durch eine Umkehrung des Blickwinkels.

Genau diesen Weg könnte eine ABC-Strategie gehen.

Stark verkürzt lautet diese: Entsprechend dem Pandemiegeschehen wird das ABC in X-beliebige Tage (Buchstabengruppen) aufgeteilt. An diesen Tagen können die Personen mit dem entsprechenden Anfangsbuchstaben des Nachnamens sich kostenlos testen lassen und mit dem negativen Ergebnis freizügig alle gewünschten Einrichtungen betreten. Für alle anderen Personen müssen sich an solch einem Tag kostenpflichtig testen lassen. Die Einrichtungen selbst dürfen alle nach den geltenden Hygienestandards offen haben.

https://www.strategie-fuer-deutschland.de

  • Es treffen sich nur genau an diesem Tag negativ Getestete in den Geschäften, Restaurants, Fitnesscentern,…

  • Buchstabengruppen könnten auch dynamisch dem Pandemiegeschehen angepasst werden (Pro Tag ein Buchstabe = maximale Einschränkung bei hoher Inzidenz, viele Buchstaben an einem Tag bei niedriger Inzidenz)

  • Lokale Verantwortlichkeit für die Buchstabengruppen z.B. beim Gesundheitsamt bzw. anderer koordinierender Stelle und damit Berücksichtigung von Krankenhauskapazitäten, Inzidenz, Testmöglichkeiten, Impffortschritt,…

  • Entsprechend der Verfügbarkeit der Schnelltest können die Buchstabengruppen angepasst werden

  • Keine „Einkaufstouristen“ aus dem Umkreis – ohne Test kein Einkauf

  • Einzelhandel kann aufmachen, es gibt Perspektiven. Lieber wenige als gar keine Kunden. Große Angst vor einer neuerlichen Schließung sorgt für verantwortliches Handeln

  • Viele Erweiterungsoptionen wie Ausgabe einer „Tageskarte bis zu Mehrtageskarten“ nach Berechtigungsprüfung und negativem Test

  • Begleitmöglichkeiten von Berechtigten (z.B. Restaurants, Museen, Konzerte,…) durch kostenpflichtigen Negativtest

  • Möglichkeit der Ausgabe von „Tageskarten“ für Schüler, die in der Schule getestet werden (keine Doppeltestung, um die Tests effizient einsetzen zu können)

Weitere Vorteile:

  • Negativtest hat „umfassendere“ Nutzungsmöglichkeit an dem einen Tag – Einkaufen, Kultur, Essen,…

  • Planbare „Freizügigkeit“ – Berechtigungstag wird zum Sonntag der Personen

  • Ganze Bevölkerungsgruppen (nach Buchstaben und nicht nach Alter) werden durch die Schnelltests gescreent, da die Person ja an „seinem Tag“ diesen auch nutzen will und freiwillig zum Schnelltest geht. Herausfiltern der „positiven“.

  • Einnahmen durch die „kostenpflichtigen“ Tests

  • Sogar die Hotellerie könnte aufmachen, wenn die Schnelltests vor dem Frühstück gemacht werden müssten und dafür eine „Gästekarte“ ausgegeben wird.

  • Ausgabe von „Berechtigungskarten von Geimpften“ oder Vorerkrankten mit Covid-19 (vielleicht sogar nach einem Antikörperscreening)

  • Integration eines Impfpasses

  • Integration von Apps möglich,…

  • Eine „Achtung“-Sofortmeldung könnte in den Schnellteststellen über die Corona-App erfolgen, die „Positiv-Meldung“ dann erst nach dem PCR-Test

  • Und noch vieles, vieles mehr!

Natürlich müsste dies im Detail noch weiter durchdacht werden, so z.B. im Hinblick auf das sicher umfassende lokale Management und es gibt auch „wünschenswerte“ Verbesserungen, z.B. für Konflikte bei Berufstätigen, die an dem Berechtigungstag bei der Arbeit gebunden sind oder Familien mit unterschiedlichen Familiennamen bei den Eltern,… (aber z.B. letztere haben als Kompensation zweimal die Möglichkeit das Angebot zu nutzen). Die Bevölkerung müsste sich anpassen und in ihrem Lebensrhythmus ggf. umstellen. Das tut sie jedoch bereits in einem umfangreichen Ausmaß seit einem Jahr. Entscheidend ist aus meiner Sicht die Chance auf Selbstorganisation aller Betroffenen – immer noch besser als gar keine Freizügigkeit nutzen zu dürfen.

Geben Sie Deutschland eine Chance!

Ich freue mich von Ihnen zu hören.

Klaus Findling

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